In dieser Ausstellung wird offenbar, dass Schrift mehr ist als nur Mitteilung und Information, daß sie, von Könnern gestaltet, zum eigenständigen Kunstwerk, zur ästhetischen und harmonischen Form der Bild- und Sichtbarwerdung des stummen Gedankens wird und diesem Dauer verleiht. Wer mit aufgeschlossenem Herzen und offenen Augen durch die Ausstellung geht, wird mit Bewunderung die handgeschriebenen Bücher und Schriftblätter betrachten und sich glücklich schätzen, Lesen gelernt zu haben, da Lesen hier auf einmal eine ganz neue Dimension bekommt. Die dem Museum angeschlossene Exlibrissammlung beinhaltet diese liebenswürdige Form der Kleingraphik in allen nur möglichen Techniken wie: Holz- und Linolschnitt, Lithographien, Siebdruck bis zum anspruchsvollen Kupferstich. Diese als Besitzvermerk zum Einkleben in Bücher bestimmten kleinen Kunstwerke sind heute auch ein beliebtes Sammelobjekt und verbinden, über alle Sprachschwierigkeiten hinweg, in freundschaftlicher Weise Menschen mit Sinn für das Schöne in vielen Ländern der Welt.
Der grosse Wunsch von Leopold Feichtinger und Prof. Friedrich Neugebauer war stets, im Schriftmuseum auch einen Kursraum einzurichten. Nachdem uns die Hauptschule im Sommer jahrelang Quartier gegeben hatte, ist es nun endlich so weit: Die Schreibstube kann bezogen werden. Tische und Stühle sind eine grosszügige Spende einer Firma aus der näheren Umgebung. Möge der Satz von Heraklit die künftigen Schüler auf dem Weg zur Kalligraphie begleiten:
DES DASEINS EIGENTLICHEN ANFANG MACHT DIE SCHRIFT.
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